Es ist ein nebliger Oktobermorgen. Nur schemenhaft ist die Landschaft zu erkennen.
In der Hoffnung, dass sich die Sonne durch die Nebeldecke wagt, schnappe ich mir die Fotokamera, um herbstliche bunte Stimmungsbilder mit Nebel einzufangen.
Doch die Natur macht was sie will, so sehr ich es mir wünsche, es bleibt einfach nur nebelig.
Ich schlendere ein wenig verärgert durch den Wald und nach und nach akzeptiere ich, dass sich meine Vorstellungen, gerade nicht umsetzen lassen.
Nun bemerke ich erst den würzigen Duft, diese Mischung von Pilzen und zu Boden gefallenen Blättern, die den Herbst so besonders machen.

Von Minute zu Minute weitet sich mein Blick, lasse ich die Natur auf mich wirken. Dann passiert genau das, was nicht vorhersehbar ist, sondern einfach passiert, wenn die innere Bereitschaft vorhanden ist, loszulassen. Etwas zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. Auf meinem Weg liegen gelbe Pappelblätter, es sieht nach herbstlichen Chaos aus. Viel zu schön, um daran vorbei zu gehen.

Schon gehe ich in die Hocke und meine Hände fangen zu gestalten an. Aus dem Moment, ohne nachzudenken. Meine Finger sammeln, legen, scheinen ein Eigenleben zu führen. Gelbe Blätter landen im Kreis, werden angeordnet, ein weiterer Kreis folgt, ein Gesicht entsteht, verschwindet.

Fußgänger kommen vorbei, bleiben stehen, umrunden den Farbkreis und gehen mit einem Lächeln im Gesicht davon.
Eine Spaziergängerin bleibt stehen und ruft spontan „Oh, das ist toll“ geht ebenfalls in die Hocke und fängt an gelbe Blätter nach Farbe zu ordnen.

Schweigend werkeln wir nebeneinander, jede für sich, doch durch die Inspiration miteinander verbunden.
Dann als mein Werk für mich fast vollendet ist, rasen neugierig zwei Hunde heran und landen schnüffelnd in meinem Farbkreis. Auch sie scheinen Gefallen an der Inszenierung zu haben und wirbeln alles mit ihren Pfoten und Nasen durcheinander. Auch das ist Naturkunst, es gibt keine Endgültigkeit.

Der Hundehalter erscheint entschuldigend und ruckzuck sind wir drei Menschen im Gespräch, die sich über Andy Goldsworthy, Landart und die Vergänglichkeit von Naturkunst unterhalten. Welch wunderschöner, völlig überraschender und inspirierender Morgen. Zufrieden und entspannt gehe ich nachhause.